Tapezieren wie ein Profi? Ich zeige Dir, wie es klappt

Tapeten hatten lange Zeit den Ruf, veraltet zu sein und waren nur mehr in Omis Wohnung zu finden. Mittlerweile haben sich die Tapetenhersteller aber tolle neue Designs einfallen lassen und das Tapezieren selbst stetig optimiert. Einfacher, schneller und vor allem schöner sind die neuen Tapeten mittlerweile an der Wand und erleben daher auch bei der jungen Generation einen echten Aufschwung. Ich möchte Dir heute zeigen, wie auch Du in Rekordzeit Deine neue Tapete an die Wand bringst – mit einem Ergebnis wie direkt vom Profi.

Checkliste: Material zum Tapezieren

Zu allererst benötigst Du natürlich das richtige Werkzeug, damit Du unterbrechungsfrei und schnell tapezieren kannst. Hierzu gehören:

  • Tapete
  • Kleister
  • Tapezier- oder Küchentisch
  • Trittleiter
  • Eimer
  • Tapezierschere/-messer
  • Zentimetermaß oder Zollstock
  • Wasserwaage
  • Weiche (Tapezier-) Bürste
  • Andrückwalze
  • Quast
  • Bleistift
  • Nahtrolle
  • Zange
  • Schraubendreher

Tapeziertisch Second-Hand oder zur Miete

Solltest Du keinen eigenen Tapeziertisch besitzen, kannst Du auch Deinen Küchentisch verwenden. Allerdings könnte dieser anschließend mit Kleisterresten verschmutzt sein. Eine weitere Alternative ist es deshalb, einen Tapeziertisch einfach zu mieten. Frage im örtlichen Baumarkt nach diesem Service oder informiere Dich diesbezüglich im Internet. Vielleicht findest Du ja auch einen günstigen Tapeziertisch als Second-Hand-Ware in den Ebay-Kleinanzeigen oder auf Quoka.de.

Die richtige Menge macht‘s – Tipps zum Tapetenkauf

Wenn Du Deine Wunschtapete kaufst, benötigst Du natürlich auch die richtigen Maße. Du willst ja schließlich nicht, dass Dir beim Tapezieren plötzlich die Tapete ausgeht. Du darfst die Tapetenrollen deshalb ruhig großzügig bemessen. Der Verschnitt ist nicht selten hinterher noch gut für kleine Ausbesserungen oder einfach zum Basteln geeignet. In der Regel sind Tapeten als Standardrollen von 0,53 m x 33,5 m erhältlich. Als Faustregel gilt daher bei der durchschnittlichen Deckenhöhe von 2,10 m bis 2,35 m:

  • 3 Rollen für 6 m Raumumfang
  • 5 Rollen für 10 m Raumumfang
  • 7 Rollen für 15 m Raumumfang
  • 10 Rollen für 20 m Raumumfang

Worauf Du vor dem Tapezieren achten musst

Bevor es nun aber losgehen kann, musst Du erst einmal die Wände für das Tapezieren vorbereiten:

Wenn noch alte Tapete an der Wand haftet…

… musst Du diese entfernen. Feuchte sie hierfür mit etwas Wasser an, lasse es einziehen und schon sollten sich die alten Bahnen ablösen. Falls nicht, hilfst Du einfach mit einem Tapetenschaber nach.

Bei frisch verputzten Wänden…

solltest Du sie vor dem Tapezieren mit einer lösungsmittelarmen Grundierung streichen. So schaffst Du eine einheitliche Grundfläche und zusätzliche Saugfähigkeit. Hierfür eignet sich zum Beispiel die sogenannte „Streichmakulatur“.

Unebenheiten, wie Nägel…

…müssen ebenfalls vor dem Tapezieren entfernt werden. Überprüfe daher die Wände auf herausstehende Gegenstände oder Löcher. Je ebener die Oberfläche, desto schöner wird am Ende die Tapete aussehen. Sind alle Farb- und Tapetenreste sowie Unebenheiten entfernt, kannst Du mit einer kleinen Testbahn überprüfen, ob die Wand zum Tapezieren geeignet ist.

Den Tapetenkleister anrühren

Je nach Art der Tapete, musst Du nun den Tapeziergeräte- oder aber den Spezialkleister anrühren. In welchem Verhältnis? Siehe hierfür einfach auf der Verpackung nach. Dort findest Du nämlich eine ausführliche Beschreibung. In der Regel liegt das Mischverhältnis für den Kleister zwischen 1:20 und 1:30 mit sauberem, kalten Wasser. Um Klumpen zu vermeiden, die später unter der Tapete sichtbar wären, musst Du den Kleister so schnell wie möglich anrühren. Bringe hierfür zuerst das Wasser in Bewegung und schütte dann unter ständigem Rühren das Kleisterpulver hinein. Erst, wenn sich eine homogene und klumpenfreie Masse gebildet hat, darfst Du mit dem Rühren aufhören. Manchmal musst Du nun noch einmal kurz warten und anschließend nochmal rühren, bevor Du mit dem Tapezieren beginnen kannst. Alle Angaben hierzu findest Du ebenfalls auf der jeweiligen Verpackung des Kleisters.

Übrigens: Du kannst den Kleister auch über Nacht aufbewahren, um am nächsten Tag ein anderes Zimmer zu tapezieren. Er ist in der Regel mehrere Tage haltbar. Damit sich keine „Haut“ auf dem Kleister bildet, schüttest Du ein wenig Wasser vorsichtig über den Rand in den Eimer. Dieses Wasser legt sich wie ein schützender Film auf den Kleister und verlängert seine Haltbarkeit. Möchtest Du dann weiterarbeiten, rührst Du den Eimer einfach noch einmal kräftig durch, bis wieder eine homogene Masse erkenntlich ist.

Es geht los: Die Tapete einweichen und -kleistern

Ist die Tapete noch nicht in Bahnen zugeschnitten, kannst Du dies nun tun. Beachte hierbei, dass sie stets rund zehn Zentimeter länger sein sollten als die eigentliche Wandhöhe. Nun verwendest Du den Quast, um die Bahnen einzukleistern. Besonders sorgfältig solltest Du bei den Rändern vorgehen. Lege einfach alle Bahnen aufeinander, beginne mit der obersten und arbeite Dich nach unten vor. Geraten dennoch Kleberreste auf den Tapeziertisch, kannst Du diese einfach mit einem feuchten Tuch oder am Ende mit einem Spachtel entfernen. Jede eingekleisterte Bahn muss nun aber erst einmal einweichen, bevor Du sie an der Wand anbringen kannst.

Wie funktioniert das Einweichen?

Das Weichen bedeutet, dass Du die eingekleisterte Tapete mit den Klebeflächen zusammenlegst (auf der einen Seite rund ein Drittel, auf der anderen etwa zwei Drittel der Länge) und rund zehn bis 15 Minuten wartest. Wieso? Weil sich die Tapete durch den Kontakt mit dem flüssigen Kleber noch einmal ausdehnt und die Kanten bei der sofortigen Verarbeitung deshalb nicht mehr aneinanderpassen würden. Dadurch entstehen unschöne Falten und Blasen. Lasse daher alle Tapetenbahnen gleich lang einweichen, damit am Ende ein einheitliches Bild entsteht.

Die Tapete an die Wand bringen

Nach dem Kleistern und Weichen, kannst Du jetzt endlich die erste Tapetenbahn an der Wand anbringen. Du beginnst in der Nähe der Hauptlichtquelle, also zum Beispiel beim größten Fenster, und arbeitest Dich dann zur entgegenliegenden Wand vor. Die einzelnen Bahnen werden passgenau ohne Lücke nebeneinander angebracht. Oben und unten stehen nun jeweils rund fünf Zentimeter über.

Die erste Tapetenbahn ist die wichtigste

Die erste Tapetenbahn ist besonders wichtig, um am Ende ein einheitliches Bild zu erhalten. Sie stellt schließlich den Ausgangspunkt für alle weiteren Tapetenbahnen dar und muss deshalb exakt senkrecht sitzen. Verwende hierfür eine Wasserwaage und markiere das Lot mit einem Bleistift an der Wand. Solange der Kleister noch nicht getrocknet ist, kannst Du die Tapete jederzeit noch einmal abziehen oder an der Wand verschieben, bis sie perfekt sitzt.

Streichrichtung und Blasen

Zum Weichen hattest Du die Tapete ja im Verhältnis 1:3 und 2:3 gefaltet. Nun klappst Du zuerst das kürzere Stück auf und bringst es oben an der Wand an. Anschließend kannst Du auch das größere Teilstück ausklappen und nach unten hin an die Wand streichen. Verwende hierfür die Tapezierbürste und gehe stets von oben nach unten sowie von der Mitte zu den Rändern vor.

Es ist dennoch passiert: Nach dem Trocknen sind Blasen in der Tapete erkennbar? Keine Sorge: Nimm einfach eine handelsübliche Spritze aus der Apotheke zur Hand, feuchte die Tapete im Bereich der Blase an und spritze etwas Leim hinein. Mit einer Malerrolle kannst Du die Tapete nun wieder glatt streichen, überflüssige Kleberreste abtupfen und die Blasen sind Vergangenheit.

Was ist mit Ecken, Lichtschaltern und Heizkörpern?

Die fünf Zentimeter Überstand sollen perfekte Ecken hervorbringen. Diese kannst Du nämlich nun direkt an der Wand mit der Tapezierschere markieren, die Bahn leicht abziehen und den Überstand abschneiden. Ebenso gehst Du mit den Fußleisten vor. Steckdosen und Lichtschalter werden einfach übertapeziert und anschließend ausgeschnitten. Bei einer Heizung stehst Du vor einer echten Herausforderung: Alle hinter dem Heizkörper sichtbaren Stellen sollten unbedingt mittapeziert werden. Verwende hierfür am besten einen langstieligen Farbroller.

Übrigens: Beim Tapezieren hinter einem Heizkörper oder in dessen Nähe sollte er unbedingt ausgeschaltet sein. Die Tapetenbahn trocknet sonst an dieser Stelle durch die Wärme schneller und passt nicht mehr optimal zu den angrenzenden Bahnen.

Wenn du lieber nicht tapezieren möchtest, dann findest du in meinen Umzugstipps auch einen Artikel zum richtigen Streichen.

2 Antworten auf „Tapezieren wie ein Profi? Ich zeige Dir, wie es klappt“

  1. Ich möchte auch neu tapezieren und war mir nicht sicher, wie viele Tapetenrollen ich für unser Wohnzimmer benötige. Deine Übersicht zur Berechnung der erforderlichen Tapetenrollen ist da wirklich hilfreich. Da muss ich wohl 10 Rollen besorgen.

  2. Ich finde Tapete so schön und sie wird langsam wieder Modern was ich echt klasse finde. Das ist für mich so ein richtige Akzent in meinen Räumen. Nur das anbringen empfinden ich als etwas kompliziert. So ein Tapeziertisch ist wirklich praktisch bei der Vorbereitung der Tapete.

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