Umziehen mit Kindern Teil 2: So klappt der Schulwechsel

Im ersten Teil der Artikelserie „Umziehen mit Kindern“ hast Du erfahren, weshalb ein Umzug für Deine Sprösslinge so aufreibend ist, was sie emotional durchleben und welche Ängste sie vielleicht haben mögen. Ein Umzug in derselben Stadt stellt dabei meist keine Probleme dar, da die Kinder weder ihre Freunde noch ihre bisherige Schule hinter sich lassen müssen. Geht es aber weiter fort und ein Schulwechsel wird nötig, stehst Du als Mutter oder Vater vor einer echten Herausforderung. Noch komplexer wird es dann, wenn sich die neue Schule in einem anderen als dem bisherigen Bundesland befindet. Denn Schulen sind in Deutschland Ländersache und so kann ein Umzug von Bayern nach Hamburg immense Veränderungen für Deine Kinder mit sich bringen.

Wann solltest Du den Schulwechsel vornehmen?

Natürlich haben die Eltern häufig nicht die Wahl, wann ein Umzug stattfinden soll, schließlich hat er eventuell berufliche, finanzielle oder familiäre Gründe. Wenn es Dir aber irgendwie möglich ist, solltest Du Dein Kind bestenfalls zum Beginn eines Schuljahres wechseln lassen. Notfalls wäre auch das Schulhalbjahr noch ein guter Zeitpunkt. Denn so ist nicht nur das vergangene (Halb-) Jahr abgeschlossen und Dein Kind hat ein ordentliches Zeugnis der letzten Schule, es kann sich auch während der vorangehenden Ferien besser auf den Wechsel vorbereiten und trifft zu einem Zeitpunkt auf seine neuen Mitschüler, zu welchem für alle ein neuer Abschnitt beginnt und vielleicht sogar mehrere neue Schüler in die Klasse kommen oder die Klassen neu aufgeteilt werden. Ist Dir das nicht möglich, so solltest Du Dein Kind zumindest so früh wie möglich zum neuen Schuljahr wechseln lassen. Dies hat allein praktische Gründe, hinsichtlich des verpassten Lehrstoffes.

Bezüglich des Alters Deines Kindes gilt dasselbe: Je früher, desto besser. Kleinere Kinder finden schneller neue Freunde und passen sich leichter an eine veränderte Umgebung an.
Vor allem für Jugendliche ist so ein Schulwechsel häufig eine sehr schwierige Zeit und kann viele Probleme mit sich bringen. Wenn möglich, könntest Du den sowieso fälligen Schulwechsel für den Umzug nutzen, zum Beispiel von der Grund- auf die Realschule oder nach der zehnten Klasse auf ein weiterführendes Gymnasium.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern?

Innerhalb eines Bundeslandes lässt sich so ein Wechsel meist noch verhältnismäßig unkompliziert gestalten. Spätestens aber, wenn Du über eine Ländergrenze hinweg umziehst, gibt es zum Teil große Veränderungen zwischen der alten und der neuen Schule Deiner Kinder. Diese betreffen nicht nur Lerninhalte und Regeln im Unterricht, sondern manchmal gar das gesamte Schulsystem. So gibt es in Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel stets vier Jahre Grundschule, in Berlin hingegen sind es sechs. Anschließend gibt es je nach Bundesland Haupt-, Real-, Regel-, Gesamtschulen oder Gymnasien, letztere wiederum acht- oder neunjährig. Eine Übersicht über die 16 Systeme findest Du auf 3sat.de.

Doch damit nicht genug: Auch die Lerninhalte variieren je nach Bundesland. Während mancherorts bereits in der ersten Klasse mit Englisch begonnen wird, lernen die Kinder in einem anderen Bundesland dafür die Schreibschrift früher oder das Abitur ist verkürzt. Wie Du Deinem Kind dann den Wechsel erleichtern kannst, möchte ich Dir im letzten Kapitel näher erläutern.

Welche Dokumente, Fristen und Behördengänge werden notwendig?

Erst einmal möchte ich Dich aufklären, wie der Schulwechsel bürokratisch von statten geht. Befindet sich Dein Kind noch in der Grundschule oder im Kindergarten, so ist der Schulbezirk für die Wahl der neuen Schule ausschlaggebend. Erkundige Dich deshalb bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde darüber, welches Schulamt für Dich zuständig ist und in welche Grundschule oder welchen Kindergarten Deine Kinder zukünftig gehen werden. Du musst Dein Kind dann bei der betreffenden Schule anmelden. Beginne dieses Anmeldeverfahren so früh wie möglich, sodass Du eventuell fehlende Dokumente noch rechtzeitig nachreichen kannst. Bringe stets auch den An- bzw. Ummeldenachweis für Deine neue Wohnung mit. Der Schulwechsel sollte für Dein Kind so stress- und reibungslos wie möglich ablaufen. Informiere Dich über die geltenden Termine und Fristen direkt bei der Schule. War die Anmeldung erfolgreich, meldest Du Dein Kind nun bei seiner alten Schule ab. Dies solltest Du erst nach der zugesagten Aufnahme bei der neuen Schule tun.

Kannst Du die neue Schule frei wählen?

Grund- und Hauptschule

Wie bereits erwähnt, besteht beim Kindergarten und der Grundschule in der Regel keine freie Wahl. Es gibt jedoch Ausnahmen: Du kannst Dein Kind zum Beispiel in der alten Schule angemeldet lassen, obwohl Ihr in einen neuen, nahegelegenen Schulbezirk umzieht. Eine Ausnahme jedoch ist nur dann möglich, wenn Du „wichtige Gründe“ vorbringen kannst und ein Antrag vom staatlichen Schulamt genehmigt wurde. Bespreche dies mit der zuständigen Schulleitung und hole Dir hier die eventuell notwendigen Dokumente und Nachweise.

Weiterführende Schule

Bei der weiterführenden Schule hingegen, ist das anders. Hier sind normalerweise keine Schulbezirke definiert und Du kannst die Schule frei wählen. Schwierig allerdings kann es bei der Frage werden, welche Schulart im neuen Bundesland der bisher besuchten entspricht. Je mehr sich die zwei Systeme unterscheiden, umso komplizierter wird der Wechsel. Informiere Dich in unklaren Fällen am besten über folgende Faktoren:

  • Welche Voraussetzungen werden an den jeweiligen Abschluss gestellt?
  • Welche Möglichkeiten hat das Kind mit dem Abschluss?
  • Welche Fremdsprachen müssen wie viele Schuljahre belegt worden sein?
  • Welche sind die Pflichtfächer?
  • Können bereits erbrachte Leistungen angerechnet werden?
  • In welchem Schuljahr werden welche Lerninhalte gelehrt?
  • Welche Fächerkombinationen gibt es in der Oberstufe?

So kannst Du Dir ein besseres Bild über die bisherige und die zur Auswahl stehenden neuen Schularten machen und sie bestmöglich abgleichen. Für Dein Kind ist der Schulwechsel einfacher, je weniger sich die alten von den neuen Lernstrukturen und Ansprüchen unterscheiden. Nutze den Wechsel daher nicht, um Dein Kind „hochzustufen“ und es hinterher zu überfordern. Findet der Umzug zum Wechsel von der Grund- in die weiterführende Schule statt, so wird die ausgesprochene Empfehlung anerkannt. Hat Dein Kind also eine Empfehlung fürs Gymnasium in Hessen erhalten, kann es auch in Sachsen, Baden-Württemberg oder Bayern anschließend das Gymnasium besuchen. Der Wechsel auf ein Gymnasium mit einer Haupt- oder Realschulempfehlung hingegen, ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.

Wie kannst Du Deinem Kind den Schulwechsel erleichtern?

Du siehst, es handelt sich um ein unglaublich komplexes Thema. Das Wichtigste dabei ist jedoch stets Dein Kind. Versuche es so gut wie möglich bei dieser großen Veränderung in seinem Leben zu unterstützen und bleibe wachsam, wie es sich fühlt und ob es unter- oder überfordert ist.

Achtsamkeit ist das A und O in dieser spannenden Zeit. Informiere Dich daher bestmöglich im Voraus, wähle die passende neue Schule aus und kläre Dein Kind darüber auf, welche Veränderungen zukünftig zu erwarten sind. Je nach Bundesland kann es durchaus passieren, dass Dein Kind in einem oder mehreren Fächern großen Aufholbedarf hat. Lasse es damit nicht alleine, sondern bereite es auf die neue Situation vor, hole gegebenenfalls einen Nachhilfelehrer zur Unterstützung und spreche vorab mit seinen Lehrern, damit eine gute Atmosphäre herrscht und keine Missverständnisse aufkommen.

Fördere Dein Kind so gut wie möglich, notfalls mit professioneller Unterstützung und nutze bereits die Zeit vor dem Umzug für die Vorbereitung auf die neue Schule, zum Beispiel durch Nachhilfe. Kläre Dein Kind unbedingt über veränderte Regeln auf, zum Beispiel welches Verhalten in der neuen Schule akzeptabel ist und welches nicht. Einen Fehler zu machen und sich zu blamieren ist nämlich das Schlimmste, was Deinem Kind in der Anfangszeit passieren kann.

Fasse Dir an die eigene Nase

Für Dich als Mutter oder Vater des Kindes ist es besonders wichtig, dass Du den Kenntnisstand und die emotionale Verfassung Deines Kindes so realistisch wie möglich einschätzt. Übertriebener Ehrgeiz oder eine „Das wird schon“-Einstellung sind hier fehl am Platz. Stufe Dein Kind stattdessen notfalls eine Klasse zurück, damit es nicht überfordert ist.

Denkst Du, dass Dein Kind schon weiter ist als seine Mitschüler, so lass es eine Klasse überspringen, damit es sich nicht langweilt und verhaltensauffällig wird. Bespreche all diese Konzepte mit dem zuständigen Klassenlehrer. Manchmal sind solche Varianten auch „auf Probe“ möglich, um zu sehen wie gut sie funktionieren.

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