Mieterverein und Mieterbund – für wen lohnt sich die Mitgliedschaft?

Du hast dich in deiner alten Mietwohnung wahnsinnig oft über die Hausverwaltung geärgert? Die Kaution hast du auch noch nicht wiederbekommen? Vom neuen Vermieter willst du dich nicht über den Tisch ziehen lassen. Doch du hast nicht immer das nötige rechtliche Knowhow. Wer hilft da schnell und kostengünstig? Schließlich will man ja nicht immer gleich zum Anwalt rennen. Eine Alternative kann ein Mieterverein sein. Wir sagen dir, ob sich die Mitgliedschaft im Mieterbund lohnt.

Mieter ärgern sich über Vermieter seit es Mietwohnungen gibt. So ist es kaum verwunderlich, dass der erste Mieterverein in Deutschland bereits vor über 150 Jahren – genauer gesagt 1868 – ins Leben gerufen wurde. Doch lohnt sich eine Mitgliedschaft? Immerhin ist ein jährlicher Beitrag fällig. Und wie und wann springt ein Mieterbund helfend ein?

Was macht ein Mieterverein?

Ein Mieterverein berät dich in allen Fragen rund um das Mietrecht.  Was sind deine Rechte und Pflichten als Mieter? Was darf der Vermieter, was darf er nicht? Wann auch immer du in solchen belangen unsicher bist, steht dir der Mieterverein mit Rat und Tat zur Seite. Zudem hilft er dir beim Schriftverkehr mit dem Vermieter. Ist die Mieterhöhung nicht angemessen? Der Mieterverein gibt dir die passenden Argumente für deinen Einspruch und hilft dir, diese schriftlich und in korrekter Form zu formulieren. Die Fachleute vom Mieterverein setzen auch gerne das Schreiben für dich auf. Diese Leistung ist allerdings oft nicht im Jahresbeitrag enthalten und abhängig vom Aufwand für das Schreiben wird eine zusätzliche Gebühr fällig.

Auf Wunsch und gegen eine geringe Gebühr hilft der Mieterverein auch bei der Wohnungsübergabe. So besichtigt ein Wohnungsabnehmer vom Mieterverein die zu übergebenden Wohnräume und erstellt ein Übergabeprotokoll.

Mietervereine setzen sich übrigens nicht nur für die persönlichen Belange einzelner Mieter ein. Sie engagieren sich auch in der (kommunalen) Wohnungspolitik im Sinne der Mieter – beispielsweise bei Wohnungsbaumaßnahmen. Der Deutsche Mieterbund setzt sich mit seinen Landesverbänden auch auf Bundes- und Landesebene für die Interessen der Mieter ein.

Zudem informieren viele Mietvereine und der Deutsche Mieterbund ihre Mitglieder regelmäßig über Broschüren und Mitgliederzeitschriften über die neuesten Entwicklungen in Bezug auf das Mietrecht und auf dem Wohnungsmarkt. So kann man sich als Mitglied in einem Mieterverein auch selbst nach und nach wichtiges Wissen aneignen.

Für den Mieterverein sind übrigens meist auf Mietrecht spezialisierte Juristen tätig – also Fachleute, bei denen du ohne Mitgliedschaft im Mieterverein viel Geld für eine Beratung zahlen würdest.

Was kostet die Mitgliedschaft?

Die Kosten für einen Mieterverein sind von Ort zu Ort und von Verein zu Verein verschieden. In der Regel beträgt der Jahresbeitrag zwischen 40 und 100 €. Der genaue Betrag hängt auch davon ab, ob der Verein ein „Gesamtpaket“ mit Mietrechtsschutzversicherung bietet oder ob du nur die Beratung für den Verein „buchst“. Die Höhe des Mitgliedsbeitrags ist auch von den fachlichen Qualifikationen der Berater abhängig. Ein Mieterverein, der einen oder mehrere Anwälte beschäftigt, ist teurer als ein Verein, in dem die Beratung nicht von Juristen durchgeführt wird.

Die Beratung durch die Fachleute vom Mieterverein ist immer im Mitgliedschaftsbeitrag enthalten. Für das Aufsetzen von Schriftsätzen oder Vororttermine wie Protokollerstellung bei der Wohnungsübergabe fallen in der Regel zusätzliche Gebühren an, die jedoch deutlich unter den Beträgen liegen, die man einem Anwalt hierfür zahlen würde.

Welches ist der richtige Mieterverein für mich?

Im Vergleich zu anderen Ländern leben in Deutschland verhältnismäßig viele Menschen zur Miete. Über die Hälfte der Bevölkerung leben nicht im Eigenheim und sehen sich damit immer einmal wieder mit Fragen des Mietrechts konfrontiert. So erklärt sich sicher auch die große Anzahl an Mietervereinen, die es hierzulande gibt. Bekannteste Anlaufstelle und zentrale Organisation rund um den Mieterschutz ist der DMB, der Deutsche Mieterbund. Ihm sind 16 Landesverbände untergeordnet zu denen wiederum zahlreiche kommunale Vereine gehören. Zudem gibt es vom DMB unabhängige Mietvereine, so dass in vielen Städten und Kommunen eine Auswahl an Mietervereinen zu finden ist. Welcher davon der richtige für dich ist, musst du letztendlich selbst herausfinden. Überlege dir, welche Dinge dir bei deinem Mietverein wichtig sind und entscheide anhand deiner Kriterien. Wir haben hier ein paar Vorschläge, welche das sein könnten:

  • Soll der Verein vor Ort sein?
  • Wie qualifiziert ist das Personal – sind Anwälte für den Verein tätig?
  • Möchtest du immer persönlich jemanden erreichen können?
  • Soll der Verein auch eine Mietrechtsschutzversicherung anbieten?
  • Wie wichtig ist dir der Kostenfaktor?

Vergleiche im besten Fall verschiedene Mietervereine, informiere dich über die genauen Satzungen und triff dann deine Entscheidung.

Achtung: Manche Mietervereine haben eine lange Kündigungsfrist! Es kann passieren, dass du nach der Kündigung noch zwei Jahre Mitglied bleiben musst.

Mietrecht

Mieterverein und Mietrechtsschutzversicherung

Viele Mietervereine bieten ihren Mitgliedern zusätzlich zur Mitgliedschaft eine Mietrechtsschutzversicherung an. Während der Mieterverein auch und vor allem „vorbeugend“ berät, greift die Versicherung im Ernstfall – wenn ein Konflikt mit Vermieter oder Hausverwaltung nur noch vor Gericht beizulegen ist. Für alle die sich also fragen, wo der Unterschied zwischen Mieterverein und Rechtsschutzversicherung mit Mietschutz liegt: Damit die Versicherung zahlt, muss ein tatsächlicher oder behaupteter Rechtsverstoß wie eine ungerechtfertigte Kündigung oder Mieterhöhung vorliegen. Den Mieterverein kann man – salopp gesagt – wegen jeder Kleinigkeit in Anspruch nehmen. Meist arbeiten die Vereine dabei mit Versicherungen zusammen. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Mietrechtsschutzversicherung in der Regel nicht bei bereits laufenden Fällen greift. Steckst du beispielsweise bereits mitten in einem Streit mit deinem Vermieter und möchtest diesen vor Gericht klären, hilft es meist nicht, schnell noch eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Diese wird die Kosten für einen Rechtsstreit bei einem bereits bestehenden Konflikt nicht übernehmen und greift erst nach einer Frist von einigen Monaten nach Abschluss der Versicherung (meist drei Monate nach Abschluss). Über die genauen Bedingungen der vom Mieterverein angebotenen Versicherung solltest du dich vorab im Detail informieren – ein wichtiges Stichwort ist hier auch die Selbstbeteiligung. Prüfe vor Abschluss der Versicherung genau, welche Leistungen inklusive sind und wie hoch eine etwaige Selbstbeteiligung ausfällt.

Unser Fazit

Ist deine Vermieterin nicht gerade deine Lieblings-Oma, dann kannst du dir nie sicher sein, was auf dich zukommt – selbst mit dem nettesten Vermieter kann es zu Konflikten kommen. Und das kann sehr teuer werden… Dennoch ist die Entscheidung für oder gegen eine Mitgliedschaft im Mieterverein sehr individuell und die Erfahrungen gehen hier weit auseinander. Von „lohnt sich auf jeden Fall“ bis hin zu „reine Abzocke“ ist da jede Meinung vertreten. Meine persönliche Erfahrung mit einem Mieterverein ist sehr gut und da ich mit Hilfe einer kompetenten Anwältin des Vereins eine ungerechtfertigte Mieterhöhung schnell und unkompliziert abwenden konnte, hat sich die Mitgliedschaft im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht. Doch hört man auch immer wieder von Fällen, in denen Mietervereine nicht gut beraten haben oder versuchen, bei jeder Kleinigkeit zusätzliche Gebühren für ihre Arbeit herauszuschlagen.

Unser Fazit zum Thema Mieterverein lautet daher: „Drum prüfe, wer sich ewig binde…“. Vergleiche die Mietervereine in deiner Nähe. Sieh dir die Satzungen der Vereine genau an. Prüfe auch die von den Vereinen angebotene Rechtsschutzversicherung. Nimm dich in Acht vor Knebelverträgen. Frage Freunde und Bekannte nach ihren Erfahrungen. Für viele ist es eine Alternative, nur eine gute und umfassende Rechtsschutzversicherung mit Mietrechtsklausel oder auch einen Mietrechtsschutz als Einzelpolice abzuschließen. Ob Mieterverein und / oder Rechtsschutzversicherung – in jedem Fall ist es eine Erleichterung, wenn man im Konfliktfall nicht erst darüber nachdenken muss, ob man sich einen Konter überhaupt leisten kann und sich nicht erst selbst auf die Schnelle gefährliches Halbwissen aus dem Internet zusammensuchen muss.

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