Checkliste für die Wohnungsbesichtigung: Worauf musst Du achten?

In meinem Artikel „Wohnungssuche: So findest du eine Wohnung?“ hast Du bereits erfahren, wo Du nach einer für Dich passenden Wohnung suchen kannst. Du hast gewiss eine oder mehrere Wohnungen gefunden, die Dir gefallen und den Vermieter kontaktiert. Mit etwas Glück wirst Du nun zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen. Einerseits hast Du so die Chance den Vermieter kennen zu lernen und von Dir zu überzeugen, andererseits musst Du natürlich auch für Dich prüfen, ob diese die für Dich richtige Wohnung ist. Hierfür habe ich Dir eine praktische Checkliste zusammengestellt:

1. Vier Augen sehen mehr als zwei:

Wenn möglich, nimm eine Begleitperson mit zur Besichtigung. Dies können Dein/e Partner/in sein, Deine Eltern, Deine zukünftigen WG-Mitbewohner, Onkel, Freunde o.ä. Am besten wäre es natürlich, wenn sich Deine Begleitperson sogar mit Wohnungen auskennt, also vielleicht ein Makler, Handwerker oder Architekt ist. Hauptsache ist jedoch, dass Du nicht alleine gehst. Denn auch bei Laien gilt: Vier Augen sehen mehr als zwei und so macht Dich Deine Begleitperson gewiss noch auf den ein oder anderen Vor- und Nachteil der Wohnung aufmerksam oder stellt Fragen, auf welche Du selbst nie gekommen wärst.

2. Eine Wohnungsbesichtigung nur bei Tageslicht…

…und bestenfalls wochentags durchführen. Denn bei Nacht sind nicht nur Mängel schwieriger zu entdecken, es ist in der Regel auch leiser. Ebenso sonn- und feiertags, wenn keine Lastwagen fahren dürfen. Du solltest Dir die Wohnung deshalb zu einem alltäglichen Zeitpunkt ansehen, zum Beispiel Mittwochs um 16 Uhr. So kannst sehen, wie hell die Wohnung ist, wo ihre Makel liegen und lauschen, ob und wie laut der Verkehr zu hören ist.

3. Nein zur Massenbesichtigung!

Gerade in Gegenden, in welchen Mietwohnungen Mangelware sind, wollen sich viele Vermieter Zeit sparen und laden einfach mehrere Interessenten zugleich ein. Eine solche Massenbesichtigung bietet jedoch nur Nachteile: Einerseits lernst Du den Vermieter nur flüchtig kennen und es wird schwer, ihn von Dir zu überzeugen. Andererseits hat er nicht ausreichend Zeit für Fragen. Vereinbare deshalb stets eine Einzelbesichtigung mit ihm. Hierdurch bekundigst Du zugleich ein erstes Interesse und kannst Dich als Bewerber von den anderen potenziellen Mietern absetzen.

4. Unterschreibe niemals direkt vor Ort

Mache nicht den Fehler, direkt bei der Besichtigung verbindlich zuzusagen oder gar bereits einen Vertrag zu unterschreiben. Verlangt der Vermieter dies von Dir, hat er etwas zu verbergen. Ansonsten gibt er Dir gewiss gerne ein oder zwei Nächte, um über die Entscheidung zu schlafen.

5. Nimm eine Kamera mit…

…und fotografiere die Wohnungen, welche Du besichtigst. So kannst Du dir die Bilder am Abend noch einmal in Ruhe ansehen, die unterschiedlichen Objekte vergleichen und überprüfen, ob es sich auch auf den zweiten Blick noch um Deine Traumwohnung handelt.

6. Weitere Besichtigungstermine vereinbaren

Du hast Dich entschieden? Dann vereinbare noch einmal zwei bis drei weitere Besichtigungstermine zu verschiedenen Tages- und Uhrzeiten, bevor Du den Mietvertrag unterschreibst. So kannst Du Dich besser gegen unerwartete Makel absichern, zum Beispiel einen erhöhten Lärmpegel zur Feierabendzeit.

7. Umgebung besichtigen

Anschließend solltest Du nicht nur die Wohnung, sondern auch die neue Wohngegend ausführlich besichtigen. Ist vielleicht ein stinkendes Klärwerk in der Nähe oder liegt das Viertel in einer Einflugschneise des Flughafens? Informiere Dich auch über das Internet, zum Beispiel via Google Maps, über Unternehmen, mögliche Lärm-, Geruchs- oder sonstige Belästigungsfaktoren in der Nähe.

8. Mit den Nachbarn sprechen

Sinnvoll ist es auch, einmal kurz mit den Nachbarn zu sprechen. Vielleicht sind sie im Sommer sowieso im Garten oder Du klingelst einfach am Nachmittag kurz an ihrer Tür, bringst leckere Kekse mit und stellst Dich vor. Hier kannst Du noch einmal wichtige Informationen über Dein Wohnhaus in Erfahrung bringen, zum Beispiel ob zwischen den Wohnparteien Streit herrscht, dass es im Wäschekeller schimmelt oder dass der Nachbarhund ständig bellt.

9. Fragen stellen

Schlussendlich kannst Du auch Deinen Vermieter noch einmal ins Kreuzverhör nehmen oder gar mit ihm über den Mietvertrag verhandeln, wenn Du Makel in der Wohnung entdeckt hast. Doch Vorsicht: Bei begehrten Wohnungen kannst Du nicht maßlos Forderungen stellen, sonst entscheidet er sich kurzerhand für einen anderen Bewerber. Auf die Beseitigung eines Schimmelflecks, einen neuen Bodenbelag in der Küche oder den Austausch des 20 Jahre alten Boilers jedoch, lässt er sich eventuell ein.

10. Die richtige Mischung aus Verstand und Bauchgefühl…

…sollte Dir am Ende die optimale Entscheidung bringen. Einerseits hilft es, eine Checkliste anzulegen, diese abzuhaken, eine Pro- und Contra-Liste zu führen und Dir fachmännischen Rat bei Deinen Bekannten einzuholen. Andererseits wird Dir schlussendlich aber Dein Bauchgefühl sagen, welche die für Dich richtige Wohnung ist. Und wenn Du Dich wohlfühlst, kannst Du auch über den ein oder anderen Makel hinwegsehen…

Muster für eine Checkliste bei der Wohnungsbesichtigung:

  • Sind Haustiere erlaubt?
  • Wieso ist der Vormieter ausgezogen?
  • Wie laut ist die Wohnung?
  • Gibt es Lärmfaktoren in der Nähe, wie eine Einflugschneise, Industrie, Bahngleise etc.?
  • Wie hell ist die Wohnung?
  • Welches Baujahr hat sie?
  • Wann und was wurde zuletzt renoviert?
  • Wie wird geheizt?
  • Wie alt sind Gemäuer, Rohre und Kabel?
  • Sind genügend Steckdosen vorhanden?
  • Wie einfach lassen sich Fenster und Türen öffnen? Zieht es?
  • Gehören ein Keller und/oder Garage zu der Wohnung?
  • Wo befindet sich der Waschmaschinenanschluss?
  • Kannst Du Geräusche aus der Nachbarwohnung hören?
  • Wie weit sind öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten entfernt?
  • Wo liegen Schule oder Kindergarten für Deine Kinder?
  • Sind die Schulwege sicher oder an einer großen Hauptstraße gelegen?
  • Zieht es an Türen und Fenstern?
  • Kannst Du Schimmel oder Wasserflecken entdecken?
  • In welchem Zustand sind die Flure und Außenanlagen?
  • Welche Nebenkosten sind inbegriffen, welche müssen extra übernommen werden?
  • Wie hoch sind die Nebenkosten? Ist der Nebenkostenabschlag realistisch?

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