Jeder Umzug ist stets eine große Umstellung. Je weiter Du von Deinem bisherigen Zuhause wegziehst, desto größer ist auch die damit einhergehende Herausforderung. Das gilt auch bei Umzügen ins Ausland: Wird in dem Land, in welches Du ziehst, noch dieselbe Sprache gesprochen oder eine andere? Handelt es sich um eine ähnliche Kultur? Wie groß sind die Unterschiede? Welche Religion ist in dem Land vorherrschend? Mit dem Umzug ins Ausland geht quasi immer ein Kulturschock einher. Was Du dagegen tun kannst und wie Du Dich schnell in Deinem neuen Land der Wahl einlebst, verrate ich Dir heute in meinen 10 praktischen Tipps.

Was ist eigentlich ein Kulturschock?

Der Kulturschock ist ein umgangssprachlicher Begriff, welcher ein Gefühl der Überforderung nach dem Umzug in ein anderes Land oder aber auch auf einer Reise beschreibt. Der Kulturschock tritt dabei häufig zeitversetzt ein nach der ersten Euphorie, der sogenannten „Honeymoon-Phase“. In dieser ersten Phase der Begeisterung wirken das neue Land und dessen Kultur in der Regel noch aufregend und faszinierend. Hast Du Dich dann ein wenig eingelebt und es kehrt der Alltag ein, kommt mit ihm häufig auch der Kulturschock. Wie lange dieser wiederum andauert, ist ebenfalls je nach Situation und Persönlichkeit unterschiedlich. Wer den Kulturschock allerdings überwindet, findet sich in der Regel als gereifte und gestärkte Persönlichkeit wieder. Er sollte Dich daher keinesfalls von dem Umzug ins Ausland abschrecken.

Welche „Symptome“ treten beim Kulturschock auf?

Auch bei Dir kann im Rahmen eines Umzugs ins Ausland also nach einigen Tagen oder Wochen ein Kulturschock eintreten. Wie Du diesen bemerkst? In der Regel geht er einher mit

  • starkem Heimweh,
  • Gefühlen der Überforderung,
  • Versagensängsten,
  • Einsamkeit,
  • Unsicherheit in Alltagssituationen
  • dem Gefühl der Fremdheit

Durch eine gute Vorbereitung kannst Du den Kulturschock aber verhindern oder zumindest minimieren. Wie das geht? Mit meinen 10 praktischen Tipps sollte das kein Problem mehr sein:

Tipp 1: Den Kulturschock niemals unterschätzen

Viele Menschen machen den Fehler, bei ihrem Umzug ins Ausland den damit einhergehenden Kulturschock zu unterschätzen. Selbst wenn Du „nur“ von Deutschland in die Schweiz ziehst, wirst Du die kulturellen Unterschiede nämlich bereits deutlich zu spüren bekommen. Selbst in Ländern mit derselben Sprache und einer scheinbar auf den ersten Blick ähnlichen Kultur, gibt es nämlich bereits zahlreiche nationale Eigenheiten. Der Kulturschock lässt da in der Regel nicht lange auf sich warten!

Tipp 2: Die eigene Kultur kennenlernen

Egal, ob Du nun von der Schweiz nach Österreich oder von Schweden nach Bali ziehst: Den Kulturschock verhinderst Du am besten, indem Du Dich erst einmal mit Deiner eigenen beschäftigst. Je besser Du nämlich die Standards, Gepflogenheiten und Grenzen Deiner Kultur kennst, desto gezielter kannst Du auch Unterschiede wahrnehmen und damit umgehen. Durch das bessere Verständnis Deiner eigenen Kultur kannst Du also die neue Kultur ebenfalls besser verstehen lernen und Dich gezielt auf die Veränderungen vorbereiten. Hilfreich ist hierbei zum Beispiel ein interkulturelles Training, wie es häufig vor Auslandsentsendungen durch Unternehmen angeboten wird.

Tipp 3: Den Umzug richtig vorbereiten

Hast Du nicht die Chance an einem solchen interkulturellen Training teilzunehmen, solltest Du Dich dennoch so gut wie möglich auf das Zielland vorbereiten. Lies entsprechende Bücher, kaufe Dir einen Reiseführer, sprich mit Freunden und Bekannten aus dem Land, oder welche dort bereits auf Reisen waren, und führe eine ausgiebige Internetrecherche durch. Bevor Du in ein fremdes Land ziehst, solltest Du unbedingt wissen

  • welche Sprache im Zielland gesprochen wird?
  • welche Religionen es gibt und welcher die Mehrheit angehört?
  • welche Besonderheiten für die Kultur mit dieser Religion einhergehen?
  • wie die politischen Strukturen sind?
  • welche Regeln und Gesetz es gibt, oder inwiefern sich diese von Deiner Heimat unterscheiden?
  • welche Traditionen und Bräuche es gibt?
  • inwiefern Männer und Frauen gleichberechtigt sind?
  • welche kulturellen Regeln bei der Kleidung zu beachten sind?
  • wie sich die Einheimischen ernähren?

Natürlich ist es unbedingt empfehlenswert – falls nicht bereits geschehen – dass Du die Sprache des jeweiligen Landes bereits im Voraus so gut wie möglich lernst. So kannst Du Dich von Anfang an ein wenig verständigen und Zusammenhänge besser erschließen. Dadurch beschleunigst Du Deine Integration und verringerst den Kulturschock. Lass Dich aber nicht entmutigen, wenn Du trotz bereits vorhandener Sprachkenntnisse die Einheimischen nicht verstehen solltest. An die ortsspezifischen Dialekte und Floskeln wirst Du Dich schnell gewöhnen.

Tipp 4: So früh wie möglich umziehen

Je nachdem, aus welchem Grund Du umziehst, wäre es eine durchaus sinnvolle Option früher anzureisen. So kannst Du Dich bevor der neue Job oder das Studium starten nämlich schon einmal etwas einleben, Dich mit der Umgebung vertraut machen und die Kultur kennenlernen.

Tipp 5: In eine WG ziehen

Wenn Du als Single umziehst, ist eine WG eine tolle Wohnmöglichkeit, bei welcher Du direkt nette Leute kennenlernen kannst. Gerade für Studenten oder Berufseinsteiger bringt die WG zudem den Vorteil mit sich, dass sie in der Regel deutlich günstiger ist als eine eigene Wohnung. Auf Plattformen wie wg-gesucht.de kannst Du häufig sogar von Zuhause aus bereits vor dem Umzug ein WG Zimmer anmieten. Noch besser ist es aber natürlich, wenn Du es vor Ort persönlich besichtigst und Deine potenziellen neuen Mitbewohner kennenlernst. Nun, da Du ja ein wenig früher angereist bist, hast Du dafür schließlich ausreichend Zeit. Derweil kannst Du Dich zum Beispiel in einem günstigen Hostel einmieten und Deine Habseligkeiten einlagern.

Tipp 6: In die Beobachterrolle gehen

Du solltest trotz guter Vorbereitung in Deiner neuen Heimat erst einmal zurückhaltend auftreten. Bring eine Menge Neugierde mit und beobachte erst einmal: Wie verhalten sich die Menschen hier? Wie begrüßen sie sich? Wie gehen sie mit Emotionen um? Sind sie eher reserviert oder herzlich? Es ist ein spannender Prozess, das neue Land, die Leute und deren Kultur zu Beginn auf Dich wirken zu lassen und so läufst Du nicht Gefahr, Dir gleich am Anfang einen Fauxpas zu leisten.

Tipp 7: Toleranz ist das A und O

Übe Dich in Toleranz! Es reicht nun nämlich nicht aus, nur die Besonderheiten zu beobachten und die Unterschiede zwischen Deiner und der neuen Kultur wahrzunehmen, Du musst diese natürlich auch tolerieren. In China werden Emotionen nicht öffentlich gezeigt? Dann hältst Du Dich fortan an diese Regel. Die Brasilianer stehen für Deinen Geschmack beim Vieraugengespräch immer einen Schritt zu nah? Dann halte es aus! Wenn du zurückweichst oder aus dem Rahmen fällst, wirst Du nämlich schnell zum Außenseiter. Die Einsamkeit und das damit einhergehende Heimweh sind dann nur noch eine Frage der Zeit.

Tipp 8: Kommunikation mit der Heimat

Ja, manchmal hilft wirklich nichts mehr außer in der alten Heimat anzurufen und sich einmal so richtig auszuheulen. Und das ist auch völlig in Ordnung! Je enger Du zu Beginn mit Deiner Familie, Deinen Freunden, Bekannten oder Kollegen in Kontakt bleibst, desto weniger einsam wirst Du Dich fühlen, wenn dann doch einmal der Kulturschock einsetzen sollte. Es hilft ungemein, dann einfach in der Muttersprache über die Erlebnisse sprechen zu können. Schwärme von der tollen Umgebung, rege Dich über den unfreundlichen Vorgesetzten auf oder erzähle die lustige Geschichte Deines ersten Arbeitstages. Hast Du Dir einmal alles von der Seele geredet, geschluchzt oder gelacht, wird es Dir schon wieder viel besser gehen. Nimm daher entweder Kommunikationsmittel von Zuhause mit oder kaufe Dir so schnell wie möglich vor Ort ein neues Handy beziehungsweise einen Laptop.
Mein Extra-Tipp: Per Skype oder FaceTime telefonierst Du übers Internet nicht nur kostenlos, sondern kannst Dein Gegenüber dabei auch noch sehen.

Tipp 9: Neue Hobbys suchen

Hin und wieder bei den alten Freunden ausheulen ist in Ordnung. Du solltest Dich aber auf keinen Fall dauerhaft zurückziehen, sondern Dir stattdessen vor Ort neue Freunde suchen. Wie das geht? Über Hobbys zum Beispiel. Dies können Deine bisherigen Hobbys sein, welche Du an Deinem früheren Wohnort auch ausgeübt hast, oder ganz neue. Weitere Ideen habe ich Dir in meinem Artikel „So findest Du nach einem Umzug schnell neue Freunde“ zusammengetragen.

Tipp 10: Lass Dir Zeit!

Schlussendlich musst Du Dir einfach selbst etwas Zeit zugestehen, um Dich in Deiner neuen Heimat einzuleben. Stelle keine zu hohen Ansprüche an Dich selbst und akzeptiere, dass es Dir eben auch hin und wieder einmal schlecht geht und das Heimweh ruft. Früher oder später wird sich der Kulturschock legen, Du wirst Dich integrieren, neue Freunde finden und Dich an die Gepflogenheiten des Landes gewöhnen. Und das so sehr, dass Du dann bei Deiner Rückkehr nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz wiederum einen Kulturschock erlebst. Das ist nämlich ein völlig normales Phänomen nach einer langen Reise oder einem Auslandsaufenthalt…

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